Tagebuch einer ver-rückten zeit

Tagebuch einer ver-rückten Zeit / Tag 32

12. November 2021

                                                                                                                                                   

Es sammelt sich so viel. Wie kann man das man bewältigen?

Es nahezu unmöglich sich zu schützen. Von allen Seiten wird man torpediert. Torpediert. Vor zwei Tagen druckte der Nordkurier einen Gastkommentar des Historikers René Schlott, in dem Schlott aufzeigt, wie immer mehr Kriegsvokabular in unserem Sprachgebrauch Einzug hält. Jetzt erwische ich mich selbst.

Da versuche ich Luft zu holen, ein paar Tage lang mal nichts an mich ranzulassen, ich entsorge die Zeitung, schaue kein Fern, höre kein Radio, reduziere meine „Kanäle“, doch der Psychostress bahnt sich seinen Weg. Die Schule meldet sich, bis zum 31. Dezember müssen wir die Masernnachweise für Clara und Hannes vorlegen. Ich finde die Impfausweise nicht. Unseren Kinderarzt gibt es nicht mehr. Freunde fragen: Was können wir tun? Wir haben uns bewusst gegen diese Impfung entschieden? Es gibt Möglichkeiten. Aber will man genauso agieren, wie diejenigen, die uns was vorgaukeln, die uns betrügen?
Ich habe beschlossen nicht in wilden Aktionismus auszubrechen. Ich muss Luft holen, ich muss bei mir bleiben. Einen Tag gelingt es, dann kommt der nächste Hammer: Jens hat beschlossen, sich impfen zu lassen.

Atmen! Tief atmen! Wegatmen! Aber wie soll ich atmen, wenn das ganze System gelähmt ist? Mein Kopf schlägt Purzelbäume.

Ich muss mich mitteilen. Pfarrer D. reagiert sofort. Er schreibt: Ich kann Ihren Kummer verstehen, aber sie müssen ihn lassen. Sonst ist der Schaden noch größer. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Ihnen das gelingt.
Hella meldet sich halber Nacht aus Portugal. Ihre Kinder, die Kinder einer Heilpraktikerin, haben sich alle impfen lassen. Was soll man machen?
Hella könnte Jens nach der Impfung homöopathisch begleiten. Das ist meine Hoffnung. Jens müsste sich vorher bei ihr melden. Hellas Wort hat bei ihm großes Gewicht. Ich will noch wissen, ob wir gefährdet sind, wenn Jens sich impfen lässt – also vornehmlich ich, wir lieben uns nicht nur platonisch. Die ersten Tage, sagt Hella, sollten wir nicht in einem Bett schlafen und wenn Jens Symptome entwickelt, sollte er sich isolieren. Zunehmend macht Hella die Erfahrung, dass von geimpften Menschen eine größere Gefahr ausgeht. Vermehrt sind sie diejenigen, die andere Menschen anstecken. Interessant ist noch eine Beobachtung, die Hella gemacht hat: von ihren Patienten, die sich mit Corona infizieren und auch erkranken, sind es die ungeimpften, die nach drei Tagen durch die Crisis durch sind, die geimpften jedoch brauchen zehn Tage und länger.
Für mich ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich um eine Patientenverfügung zu kümmern. Erst danach, finde ich, soll Jens sich impfen.

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Die Impfung ist vom Tisch. Vorerst. Ein Gespräch unter Kollegen hat Jens bewogen, die Impfung vorerst aufzuschieben. Bis der Totimpfstoff da ist? Ich habe gerade ein Video von Wolfgang Wodarg gesehen, in dem er auch diese Impfstoffe auseinandernimmt. Ich behalte es für mich. Mal sehen, was die Zeit bringt. Jens selbst bezeichnet sich als Wackelkandidat.
Mir war nicht klar, unter welchem Druck er steht.

Welchen Druck hält ein Mensch aus? Wie wird der Druck erzeugt? Tatsächlich, sagt Jens, seien es nur fünf Prozent seiner Patienten, die fragen und drängen. Mit welchem Recht?
Ich an seiner Stelle würde einfach zurückfragen: Warum soll ich mich impfen lassen? Alles, was darauf als Antwort kommt, kann ich zerpflücken.

Beeindruckt hat mich ein Gespräch mit Hockey-Bine. Corona ist für sie gar nicht so ein Thema. Der Klimawandel aber, der, sagt sie, mache ihr richtig Angst. Weil es um unseren Planeten geht. Weil die Pole schmelzen. Bine sieht ihre Kinder sich schon um Wasser prügeln. Und keine Möglichkeit diesen Lauf aufzuhalten.

Katia – erwägt ihren Job in der Angehörigenbetreuung zu schmeißen

„Wir müssen das Volk nehmen, das wir haben.“