Tagebuch einer ver-rückten Zeit

Tagebuch einer ver-rückten Zeit / Tag 29

9. November 2021

                                                                                                                                                    9. November 2021

Zwei Tage Grün- und Schwarzteeentzug und ich habe wie ein Murmeltier geschlafen. Als ich gegen neun auf mein Handy schaute, war die Whats App, die P.D. an mich gesandt hatte schon drei Stunden alt. Ich frage mich, wann schläft dieser Mann?

D.P. schrieb:

Hallo, guten Morgen liebe Frau Mechsner, ich hab mal eine Bitte. Heute steht ein ganz widerlicher Leserbrief gegen V.P. in der Zeitung. Könnten Sie nicht mal ein paar Zeilen dagegen schreiben und aufklären mit Informationen. Es ist wirklich ein ganz dummer und polemischer Leserbrief. Wenn Sie etwas schreiben könnten, wäre das sehr schön. Ich würde es auch machen, aber ich denke, das ist keine so gute Idee, da mein Ruf diesbezüglich schon so einseitig ist. Der Leserbrief von Frau P. bezog sich im Ursprung auf Frau Ms Schilderung ihrer Coronaerkrankung. Herzliche Grüße und einen guten Tag.

Nun war ich gespannt auf diesen Leserbrief.

Vermutlich hätte ich auch ohne D.P. Bitte mit einem Leserbrief darauf reagiert.

Das Denken darum beschäftigt mich den ganzen Tag. Ich hätte noch so viel mehr schreiben können und eigentlich auch wollen. Für einen Leserbrief ist der Text grenzwertig lang. Mal sehen, Frau R. hat ihn an ihren Chef weitergeleitet, er allein, schrieb sie, entscheidet, ob er gedruckt wird.

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Wie reden wir Menschen miteinander? Ist es überhaupt noch ein Miteinander? Oder nicht mehr ein Aneinandervorbei? Und noch vielmehr ein Übereinander, um den anderen zu treffen, zu verletzen, mundtot zu machen? Was bringt Corona dieser Tage nur ans Licht?

Zunehmend erlebe ich den Missbrauch unserer Sprache als Waffe. Ich sorge mich – was passiert, wenn wir nicht mehr miteinander reden können? Was kommt nach der Spaltung?

Ich bin erschrocken über den Leserbrief von K. Müller und seinen Gedanken, die der Kurier unter der Überschrift: „Impfverweigerer sind nicht in der Opferrolle“ abgedruckt hat. Ich frage mich, wo befinden wir uns? In einem Glaubenskrieg? Um ein Virus und allem, was im Zuge dieses Virus geschieht?

Corona ist keine Glaubensfrage! Genau dazu jedoch wird es stilisiert. Mittels Sprache.

Da wird mit Begriffen wie Impfverweigerer, Coronaleugner, Pandemie der Ungeimpften, Tyrannei der Ungeimpften, Impfmobbing, Maskenverweigern, Covidioten um sich geschmissen und fällt auf offenbar fruchtbaren Boden.

Wie soll unter diesen Umständen ein Diskurs stattfinden. Ein Diskurs wie ich ihn mir seit Beginn dieser viralen Krise wünsche. Einen Diskurs zwischen Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen und unterschiedlicher Erkenntnisse. Das nämlich ist meiner Ansicht nach Wissenschaft – die Auseinandersetzung von Position und Gegenposition.

Warum findet diese nicht statt? Warum wird stattdessen diffamiert und zensiert? Immer wieder höre ich, es gäbe keine Beschneidung der Meinungsfreiheit. K. Müller hat sie mit seinem Leserbrief ganz klar gefordert – damit sich „die geimpfte Mehrheit der Bevölkerung nicht schon beim Lesen der Tageszeitung am Frühstückstisch über ihre Thesen (Anm. die der Impfverweigerer) aufregen und in der Folge zwar nicht an Corona oder einer Coronaschutzimpfung, dafür aber ganz real an einem Herzinfarkt sterben muss.“

Ich frage mich, ob sich Herr Müller schon mal gefragt hat, was sein Leserbrief an meinem Frühstückstisch auslösen könnte?

Ich denke, das ist unsere große Aufgabe, zu überlegen, was könnte den anderen bewegen so und nicht anders zu handeln. Warum gibt es trotz Bratwurst und G2 eine immer noch resistente Gruppe, die sich nicht impfen lassen will?

Und da bin ganz bei V. P., deren Leserbrief Herr Müller gerne nicht abgedruckt gesehen hätte, die schreibt: Information ist eine Holpflicht! Anders als Frau P. denke ich, sie ist auch eine Bringepflicht. Da die Presse dieser vielfach jedoch nicht nachkommt, müssen wir uns Informationen holen. Gut wäre es, diese dann auch noch selbst zu durchdenken.

Ich zum Beispiel frage mich, wie das Narrativ (früher nannte man es Märchen) durch unsere Presse aufrechterhalten werden kann, dass die Ungeimpften unter dem Pflegepersonal für den Corona-Ausbruch und damit den Tod etlicher Bewohner des Seniorenheims am Werbellinsee verantwortlich sind. Das wird natürlich nicht exakt so geschrieben, aber bei Herr Müller kommt es so an. Und das obwohl inzwischen glasklar ist, dass sich auch geimpfte Menschen infizieren und das Virus weitergeben können. Ist es da nicht vielleicht sogar wahrscheinlicher, dass das Virus über das geimpfte Personal, das sich nicht testen lassen muss, eingeschleppt worden ist? Damit sind wir bei den Tests? Ist es inzwischen nicht auch allseits bekannt, wie umstritten der PCR-Test ist? Das positiv getestet, nicht gleich erkrankt bedeutet? War man deshalb nicht davon abgerückt, die Inzidenz zum alleinigen Faktor dafür zu machen, welche Maßnahmen verhängt werden oder nicht? Jeden Tag nun wieder wird die Inzidenz wie die Kuh durchs Dorf durch unsere Medien gejagt. Es wird wieder und wieder und weiter Angst geschürt. Ich kann den Aufruf von V.P. nur unterstützen: Informieren sie sich!

Auch darüber, wie es in unseren Pflegeheimen aussieht. Wie es den Schutzbefohlenen ergeht in diesen Einrichtungen, für die sie teuer bezahlen, und die trotz Corona vielfach weiter zu Tode gespart werden.

Und was Frau M. und ihre Coronaerfahrung anbelangt, denke ich, hätten ihr einige beruhigende Worte eines Arztes und vielleicht noch der eine oder andere Tipp aus Omas Heilkräuterrepertoire oder auch das Rezept für einen Hustenstiller gereicht. Meinem Verständnis nach wäre das die Pflicht eines jeden Arztes. Frau Ms Enttäuschung über diese Nichtwahrnehmung kann ich sehr gut verstehen.

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Auf meiner Hunderunde traf ich eben K. mit seinem Hund. K. fragte, ob ich zur Zeit schreibe. Ich erzählte ihm, was mich beschäftigt. Wir sind uns einig, dass diese Spaltung Mist ist. Dass die gewollt ist, sieht K. nicht so. Er sieht nur das Virus, das verheerenden Schaden anrichten (kann). Die Meinungsfreiheit sieht er überhaupt nicht gefährdet und bemüht den Vergleich zu anderen Ländern, wo es ganz anders aussähe. Grundsätzlich scheint das Ganze für ihn etwas Vorübergehendes zu sein, dass es auszusitzen gilt, um danach weiterzumachen wie bisher. Die Deutschen haben schon ganz anderes überstanden. Sein Rat: ich solle mich einfach weniger beschäftigen.

Affenpocken im Straßencafé

Immer mal wieder schaltet sich Noras Freund Paul aus Schwedt mit seinen Beobachtungen zur Zeit in den Briefwechsel. Zuletzt schrieb er am 6. Juni von seinem Besuch im Eberswalder Café Kleinschmidt. Heute war er erneut in einem Café und wurde Ohrenzeuge.

Schwedt, 28. August 2024

Liebe Nora,

die Tage haben sich verändert und ich gehe davon aus, dass es nicht nur am wechselnden Wetter liegt. Ich höre den Menschen noch genauer zu als früher, lese schneller zwischen den Zeilen als früher und genieße jeden Sonnenstrahl.

Die meisten Leute setzen sich sicher gerne mal in ein Straßen-Café. Man kann bei Tee oder eben Kaffee entspannen und Leute beobachten, sein Gesicht in die Sonne halten oder einfach schlicht seinen Gedanken folgen. Das mache auch ich ganz gerne. Ab und an kommt es vor, dass ich unfreiwillig Gespräche am Nebentisch mit anhören muss, die irgendwann nerven. Dann verschwinde ich meistens schnell. Es kommt aber auch vor, dass ich Gespräche mit anhören darf, die mir gefallen und dann bleibe ich und bestelle mir noch einen zweiten Kaffee oder ziehe den Ersten extrem und geduldig in die Länge. Letzteres konnte ich vor ein paar Tagen erleben und ich bestellte mir, weil es passte, einen zweiten Espresso. Zwei alte Leute, eine Frau, ein Mann, beide etwa 80 Jahre alt, sympathisch, aufgeweckt, offenkundig kein Paar, sondern Bekannte, unterhielten sich, wie man es oft kennt, da dies das Alter begleitet, über Krankheiten und Arztbesuche. Die Frau voran, offenbart, dass ihr Arzt wieder neue Tabletten verabreichen wollte. Sie sagte ihm, dass sie die alten schon nicht nähme. Der Arzt war entsetzt. Sie meinte nur: „Machen Sie sich keine Sorgen Herr Doktor, es geht mir ja wirklich gut!“.  Ihrem Gesprächspartner am Kaffeetisch zugewandt sagte sie: „Diese ängstlichen Ärzte. Mehr als gut ginge ja wohl nicht, wozu also Tabletten?“. Beide Alten am Cafétisch nebenan lachten herzlich und wirkten auf mich, wie die beiden alten Männer auf dem Balkon aus der Muppet-Show. Auch ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Ja, ja sagte daraufhin der Alte am Nebentisch, er kam mit einer verschnupften Nase zu seinem Arzt und der wollte ihm Antibiotika verschreiben, worauf der Alte dem Arzt antwortete: „Ach lassen Sie mal, für so etwas nehme ich schon seit ein Dreiviertel-Jahrhundert ein Taschentuch“. Die beiden am Nebentisch kicherten wie kleine Kinder und ich pustete mir vor Lachen fast den Kaffee durch die Nase und über die Hose. Nun konnte ich es nicht mehr verbergen, dass ich ihnen zuhörte. Sie schauten mich beide an und ich fühlte mich wie ein kleiner Junge, welcher beim Lauschen erwischt wurde.

Um der Situation zu entkommen meinte ich, ich ginge schon seit über 20 Jahren nicht mehr zum Arzt, außer zum Zahnarzt, denn mit Zähnen sei nicht zu spaßen. Daraufhin sieht die alte Dame mich ernst an, öffnet ihren Mund als würde sie mich wie ein tollwütiger Hund beißen wollen und sagte: „Das stimmt!“, klackte dabei mit ihrem Fingernagel auf Keramik oder Plastik, als würde ein Vögelchen mit seinem Schnabel an einer Fensterscheibe klopfen und deutet mit selbigem Finger auf ihr künstliches Gebiss. Ich verstand sofort, hatte etwas Angst, dass sie dieses jetzt aus dem Mund nehmen würde, was glücklicherweise nicht passierte, wartete noch eine Sekunde und dann lachten wir alle drei wie auf Kommando lauthals los.

Daraufhin meinte der alte Herr, er saß neulich wieder einmal im Wartezimmer bei seinem Hausarzt, welcher schon lange keine Zeit mehr hat, zu ihm nach Hause zu kommen und er darum zu ihm kommen muss. Viele Leute, ob jung, ob alt, kratzten sich am ganzen Körper und hatten Arme und Hände aufgekratzt. Eine der Damen im Wartezimmer meinte, das erinnerte sie an die Nachkriegszeit, als es die Krätze gab. Alle anderen im Raum schauten sie an. Der alte Herr meinte darauf nur trocken zu ihr: „Im Fernsehen sagen sie, es seien Affenpocken“! Nun sahen alle erstarrt zu ihm. Das war ihm nicht entgangen und er sagte ihnen zur Beruhigung, dass sie sich keine Sorgen machen sollten, denn er wüsste ganz sicher, da er den Beipackzettel gelesen hatte, dass im AstraZeneca-Impfstoff das Schimpansen Adenovirus enthalten sei und jeder der noch etwas bei Verstand sei, ja wohl die Finger davon gelassen hat, zumal dazu gentechnisch veränderte menschliche embryonale Nierenzellen verwendet wurden und Polysorbate80 enthalten ist, welches krebserregend, Thrombosen, Leberschäden und Hautkrankheiten  auslöst. Die meisten Menschen hätten ja andere Impfstoffe bekommen oder hätten diesen Unfug erst gar nicht mitgemacht.

Wie ich den alten Herrn am Nebentisch so betrachte, merke ich, dass er es so meinte wie er es sagte und obwohl ich impffrei bin, verflog meine gute Laune mit einem Schlag. Er verneinte meine Frage ob er wüsste, was in den anderen Beipackzetteln der anderen Hersteller stand. Die alte Dame legte kurz aber vertraulich ihre Hand auf meine bevor ich aufstand und meinen Kaffee bezahlte. Den restlichen Tag hatte ich entsetzliche Magenschmerzen. Ich hätte es wissen müssen, zwei Kaffee so dicht nacheinander habe ich noch nie vertragen..

Liebe Grüße Paul

Angst vor dem Verlust des Weltbildes

Seit Anna Biosch Noras „Briefwechsel“ gelesen hat, schreibt sie der Autorin in unreglemäßigen Abständen. Ihr letzter Brief datierte vom 17. Juni 2024 und schildert ihre mentale Instabilität angesichts der „furchtbaren Gegenwart“.

Berlin, 20. August 2024

Liebe Nora,

kennen Sie dieses drückende Gefühl, es heute wieder nicht geschafft zu haben, einen Brief zu schreiben? Eigentlich wollte ich diesen schon unmittelbar nach der großen Friedensdemo am 3. August geschrieben und abgeschickt haben.

Schade, dass wir uns auf der Demo nicht begenet sind. Leider war ich beim Umzug nicht dabei. Wirklich wichtige Infos, wie Beginn und Treffpunkt der Demo hatte ich nicht gut genug gespeichert und so kam ich tatsächlich zu spät. Allerdings noch rechtzeitig genug, um zur Kundgebung beim Bad in der Menge dabei zu sein. Viele der Reden konnten mir Kraft und neue Energie geben. Leider wurden diese kleinen Ressourcen vom Wahnsinn der aktuellen Ereignisse auch schnell wieder aufgebraucht.
Meine mentale Instabilität macht mir weiterhin Sorgen.

Nach der Verbreitung der Protokolle der Verantwortlichen der Coronaverbrechen hatte ich  gehofft, dass etwas in Bewegung geraten, dass eine gesellschaftliche Diskussion angeregt werden würde. Aber bisher ist nichts, rein gar nichts zu bemerken. Ich frage mich, worin dieses „Nichts“ begründet sein kann.
Mein Freund vermutet, dass die Mitläufer und Regierungsgetreuen so verärgert darüber sind, dass Ihre „Gegner“ schon so frühzeitig richtig gelegen haben mit ihren „Verschwörungstheorien“, dass sie nun vor lauter Wut erst recht nichts mit uns zu tun haben und schon gar nicht mit uns darüber reden wollen.
Eine Anekdote aus seiner Firma könnte diese Vermutung bestätigen. Dort geriet eine Diskussion über die RKI-Protokolle so vollends aus dem Ruder, dass der Kollege, der die Diskussion begonnen hatte, im Anschluss zur Aufkündigung des Arbeitsverhältnisses in beiderseitigem Interesse aufgefordert worden ist.
Das ist doch nicht zu fassen, oder?  

Meine Theorie besteht nun darin, dass die breite Masse der Mitmacher auch weiterhin nicht bereit ist, sich selbst zu informieren, weil sie möglicherweise befürchtet, durch eigenes Denken ihr so gefestigtes Weltbild zu verlieren. Sie halten weiter an den Meinungen des Mainstreams fest und dieser macht es ihnen – durchaus geschickt – sehr einfach, all die Unwahrheiten zu glauben.

Hinter beiden Theorien spielt meiner Meinung nach eine große Angst vor Scham- und Schuldgefühlen eine immense Rolle. Sobald diese Gefühle berührt werden, ist die Gefahr brachialer Aggression nicht auszuschließen – wie die Geschichte aus dem Arbeitskreis meines Freundes zeigt.

PS: wie schmerzhaft es ist, das Weltbild tatsächlich zu verlieren, habe ich am eigenen Leibe erfahren und dieser Verlust ist noch immer als tiefe traumatische Erfahrung in mir. Deshalb ist die Angst davor durchaus verständlich.

Liebe Nora, ich wünsche Ihnen weiterhin die nötige Kraft für Ihr sehr bewegtes Leben und vor allem viel Freude dabei.

Herzliche Grüße ,
Ihre Anna Biosch.