Tagebuch einer ver-rückten zeit

Tagebuch einer ver-rückten Zeit / Tag 32

12. November 2021

                                                                                                                                                   

Es sammelt sich so viel. Wie kann man das man bewältigen?

Es nahezu unmöglich sich zu schützen. Von allen Seiten wird man torpediert. Torpediert. Vor zwei Tagen druckte der Nordkurier einen Gastkommentar des Historikers René Schlott, in dem Schlott aufzeigt, wie immer mehr Kriegsvokabular in unserem Sprachgebrauch Einzug hält. Jetzt erwische ich mich selbst.

Da versuche ich Luft zu holen, ein paar Tage lang mal nichts an mich ranzulassen, ich entsorge die Zeitung, schaue kein Fern, höre kein Radio, reduziere meine „Kanäle“, doch der Psychostress bahnt sich seinen Weg. Die Schule meldet sich, bis zum 31. Dezember müssen wir die Masernnachweise für Clara und Hannes vorlegen. Ich finde die Impfausweise nicht. Unseren Kinderarzt gibt es nicht mehr. Freunde fragen: Was können wir tun? Wir haben uns bewusst gegen diese Impfung entschieden? Es gibt Möglichkeiten. Aber will man genauso agieren, wie diejenigen, die uns was vorgaukeln, die uns betrügen?
Ich habe beschlossen nicht in wilden Aktionismus auszubrechen. Ich muss Luft holen, ich muss bei mir bleiben. Einen Tag gelingt es, dann kommt der nächste Hammer: Jens hat beschlossen, sich impfen zu lassen.

Atmen! Tief atmen! Wegatmen! Aber wie soll ich atmen, wenn das ganze System gelähmt ist? Mein Kopf schlägt Purzelbäume.

Ich muss mich mitteilen. Pfarrer D. reagiert sofort. Er schreibt: Ich kann Ihren Kummer verstehen, aber sie müssen ihn lassen. Sonst ist der Schaden noch größer. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Ihnen das gelingt.
Hella meldet sich halber Nacht aus Portugal. Ihre Kinder, die Kinder einer Heilpraktikerin, haben sich alle impfen lassen. Was soll man machen?
Hella könnte Jens nach der Impfung homöopathisch begleiten. Das ist meine Hoffnung. Jens müsste sich vorher bei ihr melden. Hellas Wort hat bei ihm großes Gewicht. Ich will noch wissen, ob wir gefährdet sind, wenn Jens sich impfen lässt – also vornehmlich ich, wir lieben uns nicht nur platonisch. Die ersten Tage, sagt Hella, sollten wir nicht in einem Bett schlafen und wenn Jens Symptome entwickelt, sollte er sich isolieren. Zunehmend macht Hella die Erfahrung, dass von geimpften Menschen eine größere Gefahr ausgeht. Vermehrt sind sie diejenigen, die andere Menschen anstecken. Interessant ist noch eine Beobachtung, die Hella gemacht hat: von ihren Patienten, die sich mit Corona infizieren und auch erkranken, sind es die ungeimpften, die nach drei Tagen durch die Crisis durch sind, die geimpften jedoch brauchen zehn Tage und länger.
Für mich ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich um eine Patientenverfügung zu kümmern. Erst danach, finde ich, soll Jens sich impfen.

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Die Impfung ist vom Tisch. Vorerst. Ein Gespräch unter Kollegen hat Jens bewogen, die Impfung vorerst aufzuschieben. Bis der Totimpfstoff da ist? Ich habe gerade ein Video von Wolfgang Wodarg gesehen, in dem er auch diese Impfstoffe auseinandernimmt. Ich behalte es für mich. Mal sehen, was die Zeit bringt. Jens selbst bezeichnet sich als Wackelkandidat.
Mir war nicht klar, unter welchem Druck er steht.

Welchen Druck hält ein Mensch aus? Wie wird der Druck erzeugt? Tatsächlich, sagt Jens, seien es nur fünf Prozent seiner Patienten, die fragen und drängen. Mit welchem Recht?
Ich an seiner Stelle würde einfach zurückfragen: Warum soll ich mich impfen lassen? Alles, was darauf als Antwort kommt, kann ich zerpflücken.

Beeindruckt hat mich ein Gespräch mit Hockey-Bine. Corona ist für sie gar nicht so ein Thema. Der Klimawandel aber, der, sagt sie, mache ihr richtig Angst. Weil es um unseren Planeten geht. Weil die Pole schmelzen. Bine sieht ihre Kinder sich schon um Wasser prügeln. Und keine Möglichkeit diesen Lauf aufzuhalten.

Katia – erwägt ihren Job in der Angehörigenbetreuung zu schmeißen

„Wir müssen das Volk nehmen, das wir haben.“

Tagebuch einer ver-rückten Zeit

Tagebuch einer ver-rückten Zeit / Tag 30

10. November 2021

Ich bin allein zu Haus und fühle mich verlassen. Die Sonne scheint. In mir drinnen scheint sie nicht. Wird man so depressiv? Dazu habe ich schlecht geschlafen. Bin nach dem nächtlichen Toilettengang einfach lange nicht wieder eingeschlafen. Meine Lendenwirbelsäule schmerzt, dann wieder nicht, dafür der Rücken in der Nierengegend, Hals, Nacken, Kopf. Unterwegs mit dem Hund ist es besser.

Es wird düster. Ist das die wahrgewordene Dystopie?

Ich sollte keine Zeitung mehr lesen. Aber was passiert dann? Wir müssen doch hingucken, aufpassen, wach bleiben – wie U. immer sagt. Aber um welchen Preis? Wenn ich zerbreche, hat es nichts gebracht. Und ich fühle mich zerbrechlich, sehr sogar.

In meinem Status habe ich vorhin einen Artikel gepostet, in dem dargestellt wird, wie das RKI auf seiner Seite „still und leise – fernab von öffentlichkeitswirksamen Pressestatements“ Einschätzungen zur Pandemie verändert hat.

Postwendend kommentierte Ela Deckert. (ihres Zeichens TCM-Therapeutin und seit Corona plötzlich Impf- (und auch Maßnahmen-)befürworterin. (Soweit ich gehört habe, kennt die TCM gar keine Viren. Wie passt das zusammen?)

„Was genau ist daran, dass das RRKI seine Einschätzungen entsprechend der momentanen Lage ändert, schlimm? Außer die polemische Art des Schreiberlings???“ Zehn Minuten später ergänzte sie: „Es ist eine nie zuvor dagewesene Situation und wie gut und wie lange die Impfung schützt, weiß man auch nicht. Gute Wissenschaft hat kein Problem damit, sich unter veränderter Faktenlage anzupassen!!!!!!“

Was soll ich darauf antworten. Ist eine Antwort überhaupt erwünscht. Um in einen Austausch zu kommen? Nein, dafür stehen mir hier zu viele Ausrufungszeichen.

In Ela gärt es offenbar. 37 Minuten später meldet sie sich noch einmal: „Eine Freundin von mir ist Krankenschwester und hat bis zum Sommer auf Covid-Intensivstationen in Berlin als Springer gearbeitet. Frag die doch mal, was Covid 19 ist und wie das aussieht … Wir hatten gerade gestern wieder ein Gespräch darüber. Sie wäre für radikale Triage: Wer nicht geimpft ist, wird als letzter behandelt oder falls keine Betten zur Verfügung stehen, wird er eben gar nicht behandelt.
Finde ich radikal, auch ein rauchender Lungenkrebspatient wird behandelt … Aber sie hat kein Mitleid mehr …

Nun antworte ich ihr doch. Ich erzähle Ela, dass ich heute Nachmittag mit einem Intensivpfleger verabredet bin, um mir sagen zu lassen, wie es aktuell auf den Intensivstationen, auf denen er ebenfalls als Springer arbeitet, ganz bewusst, um sich sein Bild zu machen, aussieht. Dann sage ich ihr noch, dass wir alle geprägt sind, von dem, was wir erleben, erwähne, dass ich Menschen kenne, die die Impfung nicht gut verkraftet haben und darüber Menschen, die unmittelbar Freunde oder Verwandte in Folge der Impfung verloren haben. Ich erzähle von der 23-jährigen Prenzlauer Chorsängerin, die sich als Notfallsanitäterin hat impfen lassen müssen und dann mit drei Thrombosen, einer davon in Herznähe, und dreißig Prozent Überlebenschance auf der Intensivstation gelandet ist. Das sind die Geschichten, die das Leben schreibt, sage ich, und, dass ich es nicht gut finde, Tote gegen Tote aufzuwiegen, aber wir ziehen eben unsere Konsequenzen aus unserem Erfahrungen. Außerdem habe ich ihr gesagt, dass ich parallel dazu eine Politik sehe, die mir überhaupt nicht gefällt, Politiker, die sich in Maskendeals bereichern, Zahlen, die begradigt werden, Zahlen, die anders ausgelegt werden. Ich habe ihr gesagt, wie wichtig ich es finde, sich darüber auszutauschen, dass ich niemanden überzeugen will, dass es mir mit der Situation alles andere als gut geht und ich auch wünschte der ganze Spuk sei lieber heute als morgen vorbei. Um Missverständnissen vorzubeugen, sagte ich, dass ich weiß, dass Covid 19, also die Krankheit, die auf die Lunge geht, richtig gefährlich ist, dass ich sie nicht bekommen möchte und mein Immunsystem deshalb so gut wie möglich stärke. Was nicht ganz einfach sei, es leide trotzdem, durch den Stress dem ich ausgesetzt bin.

Dazu hat Ela sich nicht mehr geäußert.

Natürlich verunsichern mich solche Schilderungen von Menschen, die direkt mit Covid zu tun haben. Aber was sagt das, was Ela mir geschildert hat, konkret? Nichts. Kati hat eine Cousine, die als Krankenpflegerin arbeitet, und fragte diese, woher der Hass auf die Ungeimpften komme. Die Antwort durfte ich in meinem Whats App Status posten.

„Wir haben immer viel zu tun. Das war vor Corona auch so, aber die ganzen Maßnahmen verursachen mehr Arbeit, als die Patienten selbst. Dennoch: ich bin dafür da, damit jeder leben kann, wie er will. Man kann doch den Wert eines Menschenlebens nicht vom Impfstatus abhängig machen. Ich müsste eigentlich sauer sein auf die ganzen Raucher. Aber die begleite ich, wenn sie wieder stabil sind, sogar zum Rauchen nach draußen. Manche haben Bock auf Schokolade, andere auf Zigaretten. Keiner ist deswegen ein schlechterer oder besserer Mensch…. und bevor die uns die Bude anzünden, weil sie im Bett rauchen… Das gab es nämlich auch schon 😱 Manche Kollegen schimpfen auf die Impfgegner. Aber das sind die, die schon immer gejammert haben. Jetzt haben sie einen Sündenbock, der auch noch legitim ist. Unsere Station läuft gerade voll mit recht jungen Patienten, die neurologische Symptome haben, die keiner einordnen kann. Sie werden eingewiesen, weil sie draußen kein MRT bekommen. Die Termine sind wohl über Monate hinweg ausgebucht. Das fällt auf, und unserem Chefarzt dämmert schon ein Zusammenhang zur Impfung. Deshalb müssten sie sich besser über die aufregen, die sich haben impfen lassen. Aber das ist ja politisch nicht korrekt. Wir haben auch mehr Schlaganfälle. Auch auffällig viele Jüngere. Also so zwischen 45 und 55. Auch Nichtraucher und schlanke Typen. Alle müssen einen PCR-Test machen. Ist der positiv, kommen sie wegen des Schlaganfalls zunächst auf die ITS, werden aber als Corona-Patienten in der ITS-Belegung erfasst. Ich weiß nicht, ob es dafür extra Geld gibt. 🤷🏼‍♀… „

Nun war ich gespannt, was Sven, mein Intensivpfleger erzählen würde. Zunächst war es ihm wichtig zu sagen, dass er mir nur seine kleine eingeschränkte Sicht schildern könne, die aber irgendwie auch eine große Sicht sei, da er seit März auf fünfundzwanzig verschiedenen Intensivstationen in Berliner Krankenhäusern Dienst getan habe.

Er sagt, nirgend sei für ihn eine Notlage sichtbar und auch keine Bettenüberbelastung absehbar. Momentan arbeitet Sven in einem Krankenhaus mit dreißig Intensivbetten. Von denen sind fünfzehn gesperrt, weil kein Personal vorhanden ist, um etwaige Patienten zu versorgen. Aktuell sind sechs Covid-Patienten zu versorgen. Alle sind Risikopatienten, alt und/oder vorerkrankt.

Über Weihnachten wollte Sven in einem Krankenhaus arbeiten. Die dortigen Intensivdienstleistung sagte ihm, die Charieté und Vivantes hätten beschlossen, dass zu den Diensten in den nächsten drei Monaten keine weiten Mitarbeiter hinzugebucht werden dürften. Svens Chefin, also die Chefin der Leasingfirma, deren Angestellte das betrifft, wusste davon allerdings noch nichts.

Zwei Kollegen von, die in einem Krankenhaus im Süden Berlins Dienst tun, erzählten ihm, dass die dortige Intensivstation in jeder Schicht mit 80 Prozent Leasingmitarbeitern laufe.

Bestätigen konnte Sven, dass in der derzeitigen Welle wirklich mehr junge Menschen (30, 40, 50-jährige) schwer an Covid erkrankten, die keine offensichtliche Vorerkrankung hätten – ABER: und das bestätigt seine Freundin, die in Bonn auf einer Intensivstation arbeitet, meistenteils Ausländer sind. Eine Erklärung für dieses Phänomen hat Sven bislang nicht.

Eine Stunde haben wir um dieses Thema herum munter geplaudert.

Ich merke, was ich schon tagsüber wahrgenommen habe, mir fehlen die Menschen. Allerdings brauche ich sie gerade dosiert. Meinen Prenzlauer Lindenkreis habe ich wieder sausen lassen, fühle mich nicht gewachsen – mir wird schwindlig, wenn ich mir unseren Raum und die Gespräche darin vorstelle. Jetzt sitzen sie wohl gerade noch zusammen.

Mein TelegrammKanal spinnt wieder. Die Nachrichten erreichen mich alle Stunden verspätet. Ich nehme es wieder als Wink von oben. Digital Detox!!!

Tagebuch einer ver-rückten Zeit

Tagebuch einer ver-rückten Zeit / Tag 29

9. November 2021

                                                                                                                                                    9. November 2021

Zwei Tage Grün- und Schwarzteeentzug und ich habe wie ein Murmeltier geschlafen. Als ich gegen neun auf mein Handy schaute, war die Whats App, die P.D. an mich gesandt hatte schon drei Stunden alt. Ich frage mich, wann schläft dieser Mann?

D.P. schrieb:

Hallo, guten Morgen liebe Frau Mechsner, ich hab mal eine Bitte. Heute steht ein ganz widerlicher Leserbrief gegen V.P. in der Zeitung. Könnten Sie nicht mal ein paar Zeilen dagegen schreiben und aufklären mit Informationen. Es ist wirklich ein ganz dummer und polemischer Leserbrief. Wenn Sie etwas schreiben könnten, wäre das sehr schön. Ich würde es auch machen, aber ich denke, das ist keine so gute Idee, da mein Ruf diesbezüglich schon so einseitig ist. Der Leserbrief von Frau P. bezog sich im Ursprung auf Frau Ms Schilderung ihrer Coronaerkrankung. Herzliche Grüße und einen guten Tag.

Nun war ich gespannt auf diesen Leserbrief.

Vermutlich hätte ich auch ohne D.P. Bitte mit einem Leserbrief darauf reagiert.

Das Denken darum beschäftigt mich den ganzen Tag. Ich hätte noch so viel mehr schreiben können und eigentlich auch wollen. Für einen Leserbrief ist der Text grenzwertig lang. Mal sehen, Frau R. hat ihn an ihren Chef weitergeleitet, er allein, schrieb sie, entscheidet, ob er gedruckt wird.

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Wie reden wir Menschen miteinander? Ist es überhaupt noch ein Miteinander? Oder nicht mehr ein Aneinandervorbei? Und noch vielmehr ein Übereinander, um den anderen zu treffen, zu verletzen, mundtot zu machen? Was bringt Corona dieser Tage nur ans Licht?

Zunehmend erlebe ich den Missbrauch unserer Sprache als Waffe. Ich sorge mich – was passiert, wenn wir nicht mehr miteinander reden können? Was kommt nach der Spaltung?

Ich bin erschrocken über den Leserbrief von K. Müller und seinen Gedanken, die der Kurier unter der Überschrift: „Impfverweigerer sind nicht in der Opferrolle“ abgedruckt hat. Ich frage mich, wo befinden wir uns? In einem Glaubenskrieg? Um ein Virus und allem, was im Zuge dieses Virus geschieht?

Corona ist keine Glaubensfrage! Genau dazu jedoch wird es stilisiert. Mittels Sprache.

Da wird mit Begriffen wie Impfverweigerer, Coronaleugner, Pandemie der Ungeimpften, Tyrannei der Ungeimpften, Impfmobbing, Maskenverweigern, Covidioten um sich geschmissen und fällt auf offenbar fruchtbaren Boden.

Wie soll unter diesen Umständen ein Diskurs stattfinden. Ein Diskurs wie ich ihn mir seit Beginn dieser viralen Krise wünsche. Einen Diskurs zwischen Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen und unterschiedlicher Erkenntnisse. Das nämlich ist meiner Ansicht nach Wissenschaft – die Auseinandersetzung von Position und Gegenposition.

Warum findet diese nicht statt? Warum wird stattdessen diffamiert und zensiert? Immer wieder höre ich, es gäbe keine Beschneidung der Meinungsfreiheit. K. Müller hat sie mit seinem Leserbrief ganz klar gefordert – damit sich „die geimpfte Mehrheit der Bevölkerung nicht schon beim Lesen der Tageszeitung am Frühstückstisch über ihre Thesen (Anm. die der Impfverweigerer) aufregen und in der Folge zwar nicht an Corona oder einer Coronaschutzimpfung, dafür aber ganz real an einem Herzinfarkt sterben muss.“

Ich frage mich, ob sich Herr Müller schon mal gefragt hat, was sein Leserbrief an meinem Frühstückstisch auslösen könnte?

Ich denke, das ist unsere große Aufgabe, zu überlegen, was könnte den anderen bewegen so und nicht anders zu handeln. Warum gibt es trotz Bratwurst und G2 eine immer noch resistente Gruppe, die sich nicht impfen lassen will?

Und da bin ganz bei V. P., deren Leserbrief Herr Müller gerne nicht abgedruckt gesehen hätte, die schreibt: Information ist eine Holpflicht! Anders als Frau P. denke ich, sie ist auch eine Bringepflicht. Da die Presse dieser vielfach jedoch nicht nachkommt, müssen wir uns Informationen holen. Gut wäre es, diese dann auch noch selbst zu durchdenken.

Ich zum Beispiel frage mich, wie das Narrativ (früher nannte man es Märchen) durch unsere Presse aufrechterhalten werden kann, dass die Ungeimpften unter dem Pflegepersonal für den Corona-Ausbruch und damit den Tod etlicher Bewohner des Seniorenheims am Werbellinsee verantwortlich sind. Das wird natürlich nicht exakt so geschrieben, aber bei Herr Müller kommt es so an. Und das obwohl inzwischen glasklar ist, dass sich auch geimpfte Menschen infizieren und das Virus weitergeben können. Ist es da nicht vielleicht sogar wahrscheinlicher, dass das Virus über das geimpfte Personal, das sich nicht testen lassen muss, eingeschleppt worden ist? Damit sind wir bei den Tests? Ist es inzwischen nicht auch allseits bekannt, wie umstritten der PCR-Test ist? Das positiv getestet, nicht gleich erkrankt bedeutet? War man deshalb nicht davon abgerückt, die Inzidenz zum alleinigen Faktor dafür zu machen, welche Maßnahmen verhängt werden oder nicht? Jeden Tag nun wieder wird die Inzidenz wie die Kuh durchs Dorf durch unsere Medien gejagt. Es wird wieder und wieder und weiter Angst geschürt. Ich kann den Aufruf von V.P. nur unterstützen: Informieren sie sich!

Auch darüber, wie es in unseren Pflegeheimen aussieht. Wie es den Schutzbefohlenen ergeht in diesen Einrichtungen, für die sie teuer bezahlen, und die trotz Corona vielfach weiter zu Tode gespart werden.

Und was Frau M. und ihre Coronaerfahrung anbelangt, denke ich, hätten ihr einige beruhigende Worte eines Arztes und vielleicht noch der eine oder andere Tipp aus Omas Heilkräuterrepertoire oder auch das Rezept für einen Hustenstiller gereicht. Meinem Verständnis nach wäre das die Pflicht eines jeden Arztes. Frau Ms Enttäuschung über diese Nichtwahrnehmung kann ich sehr gut verstehen.

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Auf meiner Hunderunde traf ich eben K. mit seinem Hund. K. fragte, ob ich zur Zeit schreibe. Ich erzählte ihm, was mich beschäftigt. Wir sind uns einig, dass diese Spaltung Mist ist. Dass die gewollt ist, sieht K. nicht so. Er sieht nur das Virus, das verheerenden Schaden anrichten (kann). Die Meinungsfreiheit sieht er überhaupt nicht gefährdet und bemüht den Vergleich zu anderen Ländern, wo es ganz anders aussähe. Grundsätzlich scheint das Ganze für ihn etwas Vorübergehendes zu sein, dass es auszusitzen gilt, um danach weiterzumachen wie bisher. Die Deutschen haben schon ganz anderes überstanden. Sein Rat: ich solle mich einfach weniger beschäftigen.

Affenpocken im Straßencafé

Immer mal wieder schaltet sich Noras Freund Paul aus Schwedt mit seinen Beobachtungen zur Zeit in den Briefwechsel. Zuletzt schrieb er am 6. Juni von seinem Besuch im Eberswalder Café Kleinschmidt. Heute war er erneut in einem Café und wurde Ohrenzeuge.

Schwedt, 28. August 2024

Liebe Nora,

die Tage haben sich verändert und ich gehe davon aus, dass es nicht nur am wechselnden Wetter liegt. Ich höre den Menschen noch genauer zu als früher, lese schneller zwischen den Zeilen als früher und genieße jeden Sonnenstrahl.

Die meisten Leute setzen sich sicher gerne mal in ein Straßen-Café. Man kann bei Tee oder eben Kaffee entspannen und Leute beobachten, sein Gesicht in die Sonne halten oder einfach schlicht seinen Gedanken folgen. Das mache auch ich ganz gerne. Ab und an kommt es vor, dass ich unfreiwillig Gespräche am Nebentisch mit anhören muss, die irgendwann nerven. Dann verschwinde ich meistens schnell. Es kommt aber auch vor, dass ich Gespräche mit anhören darf, die mir gefallen und dann bleibe ich und bestelle mir noch einen zweiten Kaffee oder ziehe den Ersten extrem und geduldig in die Länge. Letzteres konnte ich vor ein paar Tagen erleben und ich bestellte mir, weil es passte, einen zweiten Espresso. Zwei alte Leute, eine Frau, ein Mann, beide etwa 80 Jahre alt, sympathisch, aufgeweckt, offenkundig kein Paar, sondern Bekannte, unterhielten sich, wie man es oft kennt, da dies das Alter begleitet, über Krankheiten und Arztbesuche. Die Frau voran, offenbart, dass ihr Arzt wieder neue Tabletten verabreichen wollte. Sie sagte ihm, dass sie die alten schon nicht nähme. Der Arzt war entsetzt. Sie meinte nur: „Machen Sie sich keine Sorgen Herr Doktor, es geht mir ja wirklich gut!“.  Ihrem Gesprächspartner am Kaffeetisch zugewandt sagte sie: „Diese ängstlichen Ärzte. Mehr als gut ginge ja wohl nicht, wozu also Tabletten?“. Beide Alten am Cafétisch nebenan lachten herzlich und wirkten auf mich, wie die beiden alten Männer auf dem Balkon aus der Muppet-Show. Auch ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Ja, ja sagte daraufhin der Alte am Nebentisch, er kam mit einer verschnupften Nase zu seinem Arzt und der wollte ihm Antibiotika verschreiben, worauf der Alte dem Arzt antwortete: „Ach lassen Sie mal, für so etwas nehme ich schon seit ein Dreiviertel-Jahrhundert ein Taschentuch“. Die beiden am Nebentisch kicherten wie kleine Kinder und ich pustete mir vor Lachen fast den Kaffee durch die Nase und über die Hose. Nun konnte ich es nicht mehr verbergen, dass ich ihnen zuhörte. Sie schauten mich beide an und ich fühlte mich wie ein kleiner Junge, welcher beim Lauschen erwischt wurde.

Um der Situation zu entkommen meinte ich, ich ginge schon seit über 20 Jahren nicht mehr zum Arzt, außer zum Zahnarzt, denn mit Zähnen sei nicht zu spaßen. Daraufhin sieht die alte Dame mich ernst an, öffnet ihren Mund als würde sie mich wie ein tollwütiger Hund beißen wollen und sagte: „Das stimmt!“, klackte dabei mit ihrem Fingernagel auf Keramik oder Plastik, als würde ein Vögelchen mit seinem Schnabel an einer Fensterscheibe klopfen und deutet mit selbigem Finger auf ihr künstliches Gebiss. Ich verstand sofort, hatte etwas Angst, dass sie dieses jetzt aus dem Mund nehmen würde, was glücklicherweise nicht passierte, wartete noch eine Sekunde und dann lachten wir alle drei wie auf Kommando lauthals los.

Daraufhin meinte der alte Herr, er saß neulich wieder einmal im Wartezimmer bei seinem Hausarzt, welcher schon lange keine Zeit mehr hat, zu ihm nach Hause zu kommen und er darum zu ihm kommen muss. Viele Leute, ob jung, ob alt, kratzten sich am ganzen Körper und hatten Arme und Hände aufgekratzt. Eine der Damen im Wartezimmer meinte, das erinnerte sie an die Nachkriegszeit, als es die Krätze gab. Alle anderen im Raum schauten sie an. Der alte Herr meinte darauf nur trocken zu ihr: „Im Fernsehen sagen sie, es seien Affenpocken“! Nun sahen alle erstarrt zu ihm. Das war ihm nicht entgangen und er sagte ihnen zur Beruhigung, dass sie sich keine Sorgen machen sollten, denn er wüsste ganz sicher, da er den Beipackzettel gelesen hatte, dass im AstraZeneca-Impfstoff das Schimpansen Adenovirus enthalten sei und jeder der noch etwas bei Verstand sei, ja wohl die Finger davon gelassen hat, zumal dazu gentechnisch veränderte menschliche embryonale Nierenzellen verwendet wurden und Polysorbate80 enthalten ist, welches krebserregend, Thrombosen, Leberschäden und Hautkrankheiten  auslöst. Die meisten Menschen hätten ja andere Impfstoffe bekommen oder hätten diesen Unfug erst gar nicht mitgemacht.

Wie ich den alten Herrn am Nebentisch so betrachte, merke ich, dass er es so meinte wie er es sagte und obwohl ich impffrei bin, verflog meine gute Laune mit einem Schlag. Er verneinte meine Frage ob er wüsste, was in den anderen Beipackzetteln der anderen Hersteller stand. Die alte Dame legte kurz aber vertraulich ihre Hand auf meine bevor ich aufstand und meinen Kaffee bezahlte. Den restlichen Tag hatte ich entsetzliche Magenschmerzen. Ich hätte es wissen müssen, zwei Kaffee so dicht nacheinander habe ich noch nie vertragen..

Liebe Grüße Paul

Angst vor dem Verlust des Weltbildes

Seit Anna Biosch Noras „Briefwechsel“ gelesen hat, schreibt sie der Autorin in unreglemäßigen Abständen. Ihr letzter Brief datierte vom 17. Juni 2024 und schildert ihre mentale Instabilität angesichts der „furchtbaren Gegenwart“.

Berlin, 20. August 2024

Liebe Nora,

kennen Sie dieses drückende Gefühl, es heute wieder nicht geschafft zu haben, einen Brief zu schreiben? Eigentlich wollte ich diesen schon unmittelbar nach der großen Friedensdemo am 3. August geschrieben und abgeschickt haben.

Schade, dass wir uns auf der Demo nicht begenet sind. Leider war ich beim Umzug nicht dabei. Wirklich wichtige Infos, wie Beginn und Treffpunkt der Demo hatte ich nicht gut genug gespeichert und so kam ich tatsächlich zu spät. Allerdings noch rechtzeitig genug, um zur Kundgebung beim Bad in der Menge dabei zu sein. Viele der Reden konnten mir Kraft und neue Energie geben. Leider wurden diese kleinen Ressourcen vom Wahnsinn der aktuellen Ereignisse auch schnell wieder aufgebraucht.
Meine mentale Instabilität macht mir weiterhin Sorgen.

Nach der Verbreitung der Protokolle der Verantwortlichen der Coronaverbrechen hatte ich  gehofft, dass etwas in Bewegung geraten, dass eine gesellschaftliche Diskussion angeregt werden würde. Aber bisher ist nichts, rein gar nichts zu bemerken. Ich frage mich, worin dieses „Nichts“ begründet sein kann.
Mein Freund vermutet, dass die Mitläufer und Regierungsgetreuen so verärgert darüber sind, dass Ihre „Gegner“ schon so frühzeitig richtig gelegen haben mit ihren „Verschwörungstheorien“, dass sie nun vor lauter Wut erst recht nichts mit uns zu tun haben und schon gar nicht mit uns darüber reden wollen.
Eine Anekdote aus seiner Firma könnte diese Vermutung bestätigen. Dort geriet eine Diskussion über die RKI-Protokolle so vollends aus dem Ruder, dass der Kollege, der die Diskussion begonnen hatte, im Anschluss zur Aufkündigung des Arbeitsverhältnisses in beiderseitigem Interesse aufgefordert worden ist.
Das ist doch nicht zu fassen, oder?  

Meine Theorie besteht nun darin, dass die breite Masse der Mitmacher auch weiterhin nicht bereit ist, sich selbst zu informieren, weil sie möglicherweise befürchtet, durch eigenes Denken ihr so gefestigtes Weltbild zu verlieren. Sie halten weiter an den Meinungen des Mainstreams fest und dieser macht es ihnen – durchaus geschickt – sehr einfach, all die Unwahrheiten zu glauben.

Hinter beiden Theorien spielt meiner Meinung nach eine große Angst vor Scham- und Schuldgefühlen eine immense Rolle. Sobald diese Gefühle berührt werden, ist die Gefahr brachialer Aggression nicht auszuschließen – wie die Geschichte aus dem Arbeitskreis meines Freundes zeigt.

PS: wie schmerzhaft es ist, das Weltbild tatsächlich zu verlieren, habe ich am eigenen Leibe erfahren und dieser Verlust ist noch immer als tiefe traumatische Erfahrung in mir. Deshalb ist die Angst davor durchaus verständlich.

Liebe Nora, ich wünsche Ihnen weiterhin die nötige Kraft für Ihr sehr bewegtes Leben und vor allem viel Freude dabei.

Herzliche Grüße ,
Ihre Anna Biosch.